Leben
Marianne Kiesselbach, geborene März, kam 1913 in Köln zur Welt. Schon im Abitur wählte sie Zeichnen als Wahlfach, und an der Kölner Kunstwerkschule lernte sie Aktzeichnen und Aquarellieren. Nach der Reifeprüfung studierte sie Kunstgeschichte, Philosophie und Germanistik, zuerst in Köln, dann in Bonn, Münster und Greifswald. Dort wurde sie 1943 mit der Arbeit „Greifswalder Bürgerhäuser von 1750 bis 1850“ zum Dr. phil. promoviert.
Ihr Mann war der Anatom Anton Kiesselbach (1907–1984). Für ihn fertigte sie schon als Schülerin wissenschaftliche Zeichnungen an, und das tat sie jahrzehntelang weiter. Mit ihren beiden Kindern, einer Tochter und einem Sohn, zog die Familie über Frankfurt am Main, den Schwarzwald und Regensburg 1955 nach Düsseldorf, wo Anton Kiesselbach Professor für Anatomie wurde.
Ihre ersten kleinen Arbeiten in Ton entstanden nach dem Krieg im Schwarzwald. Ab den 1960er-Jahren arbeitete sie als Bildhauerin, ohne je eine Kunstakademie besucht zu haben. Es entstanden Medaillen und Plaketten, Kleinplastiken, später auch Brunnen, Gartenplastiken und Porträtbüsten, fast alles in Bronze. Häufige Themen sind Wasser, Fische, Vögel und schlanke, ruhige Menschenfiguren.
Sie besuchte oft die Nobelpreisträger-Tagungen in Lindau und porträtierte die Nobelpreisträger Otto Hahn und Adolf Butenandt. Die französische Gesellschaft „Arts, Sciences et Lettres“ ernannte sie zum Chevalier und verlieh ihr die Medaille d’Argent.
Später lebte und arbeitete sie auf dem Bakenhof in Krefeld-Linn. Dort war sie Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Flachsmarkt und schuf den Linner Heimatbrunnen. Krefeld blieb ihr Wohnort bis zuletzt. Marianne Kiesselbach starb im Januar 2005.
Bücher
- Greifswalder Bürgerhäuser von 1750 bis 1850. Dissertation, Greifswald 1942/43
- Marianne Kiesselbach. Bronzen. Mit einer Einführung von Prof. Dr. Hans Schadewaldt. Selbstverlag, Krefeld 1980 (24 Seiten)
- Märchen für Liebende und solche, die es werden wollen oder gewesen sind. Triltsch, Düsseldorf 1980
Im öffentlichen Raum
Brunnen, Figuren und Gedenktafeln an öffentlich zugänglichen Orten: in Städten, auf dem Universitätsgelände und in Krankenhausparks. Der Brunnen in Ratingen ist nach dem Stand des Katalogs von 1980 beschrieben.
Linner Heimatbrunnen
Ein Brunnen, der Geschichte erzählt: Drei Schalen tragen Reliefs zur Geschichte von Linn, von der Bataverschlacht (69 n. Chr.) über Gräfin Mechthild von Kleve und den Brand der Burg (1704) bis zu Flachsernte und Tauschhandel um 1900. Vier Medaillons mit alten Linner Siegeln verbinden die Schalen. Das Wasser läuft in ein Becken in Form eines Mühlsteins.
Schwanenbrunnen
Ein Schwan aus Bronze in der Mitte eines Natursteinbeckens. Der Brunnen, früher „Vogelbrunnen“ genannt, war ein Geschenk zum 70. Geburtstag von Lennart Graf Bernadotte, dem Herrn der Blumeninsel. Geschenkt haben ihn Gartendirektor Josef Raff, Mitarbeiter der Mainau und Freunde. Schon 1972 hatte Marianne Kiesselbach eine Porträtbüste von Gräfin Sonja Bernadotte geschaffen.
Der Fährmann
Die Figur zeigt Hermann Scholl, der von 1771 bis 1827 die Fähre über die Ruhr betrieb. Er war ein Vorfahr der Tengelmann-Gründerfamilie. Lange stand der Fährmann am Haupteingang des Tengelmann-Geländes in Speldorf. Im September 2022 schenkten ihn die Familie Haub und die Firma Soravia der Stadt, und er zog an das Ruhrufer, nahe der Stelle, an der Scholl einst übersetzte.
Foto: Dat doris, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons
Die Sinnende
Eine sitzende Frau in nachdenklicher Haltung: Der Kopf ist gesenkt und ruht auf der Hand. Kennzeichen sind die schlanken, gestreckten Glieder und das lange Haar. Das Kleid spannt sich über die gekreuzten Beine zu einer Dreiecksfläche, sodass Körper und Gewand ineinander übergehen.
Mutter und Kind
Das Thema Mutter und Kind hat Marianne Kiesselbach mehrfach gestaltet, zweimal davon groß für ein Krankenhaus.
Düsseldorf, Universitätsklinikum (1987, 1,60 m): Zwischen Frauen- und Kinderklinik sitzt eine Frau mit angewinkelten Beinen auf dem Boden, ein Kleinkind im Schoß. Sie lehnt sich leicht zurück, stützt sich auf die rechte Hand und schaut auf ihr Kind, das sich an sie schmiegt. Ein Tuch liegt über ihren Schultern. Mutter und Kind verschmelzen zu einer ruhenden Einheit.
Düren-Birkesdorf, St. Marien-Hospital (1960er-Jahre, 1,38 m): Eine hohle Bronzefigur, gegossen bei Butzon & Bercker in Kevelaer. Weil sie nicht in einem Stück gegossen werden konnte, wurde sie in Teilen gegossen und zusammengeschweißt. Nach langer Einlagerung wegen Bauarbeiten kehrte sie im Mai 2024 auf einem neuen Sockel in den Park des Krankenhauses zurück.
Altar der Heilig-Geist-Kapelle
Das Figurenrelief am Altar zeigt Christus als Arzt: Alte, Kranke und Kinder versuchen, den in der Mitte stehenden Jesus zu erreichen („Kommet her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid“). Das passt zum Ort, denn die Jugendstil-Kapelle von 1907 gehörte ursprünglich zu den Städtischen Krankenanstalten. Der Altar birgt eine Reliquie des heiligen Andreas Bobola und wurde 1980 geweiht.
Gedenkplatte für die Linner Synagoge
Die Platte erinnert an die Synagoge, die 1865 erbaut und in der Pogromnacht am 9. November 1938 zerstört wurde. Die Inschrift lautet: „Hier stand die Synagoge, nach Plänen von A. Heyden 1865 erbaut, den Linner und den Bockumer Juden von Philipp de Greiff gestiftet. Sie wurde ein Opfer der nationalsozialistischen Willkür am 9. November 1938.“
Brunnen „Universum“
Eine Kugel aus Bronzeringen mit 1 m Durchmesser auf einem Findling. Die Gartengestaltung stammt von H. Raitz von Frentz, Krefeld.
Weitere Arbeiten und Entwürfe
- Gitterrelief „Himmlische und irdische Liebe“
- Modell für eine Stele in einem Kirchenbezirk: Steinsäule mit Bronzeringen als Symbol der Dreieinigkeit, ca. 2,40 m
- Modell für ein Ehrenmal: drei Flügel aus Kupfer, von einem Ring gehalten, ca. 2,40 m
- Entwurf für die Weltenergiekonferenz 1980 in Hamburg
- Plakette am Flughafen-Gedenkstein in Krefeld-Gartenstadt (Traarer Straße / Hoher Weg), 1991: Sie zeigt das Eingangstor des früheren Krefelder Flugplatzes (1915–1945). Den Findling stiftete der Bürgerverein Gartenstadt.
Brunnen und Gartenplastiken
Wasser, Vögel und Fische: Brunnen und Plastiken für Firmen, Gärten und Innenhöfe. Die Brunnen für Barmenia und RWE stehen auf Firmengeländen und sind nicht öffentlich zugänglich. Ein Foto antippen, um es groß zu sehen und weiterzublättern.
Porträts
Sie porträtierte vor allem Menschen aus Wissenschaft und Wirtschaft, darunter die Nobelpreisträger Otto Hahn und Adolf Butenandt und zahlreiche Professoren der Düsseldorfer Universitätsklinik.
Kleinplastiken
Kleine Bronzen für Haus und Garten, von der winzigen Figur mit 3 cm bis zur Tischplastik.
Figuren
Tiere
Für Tisch und Schreibtisch
Briefbeschwerer, Gefäße und Tafelsilber, oft als Auftrag für ein bestimmtes Haus oder eine Firma.
Reliefs
Reliefs, Kaminplatten und Türgriffe: Bronze zum Ansehen und zum Anfassen.
Blätter-Serie
Eine Serie quadratischer Bronzetafeln mit den Blättern heimischer und fremder Bäume, jeweils mit dem deutschen und dem lateinischen Namen, dem Monogramm „MK“ und eingesetzten Tigeraugen.
Medaillen und Plaketten
Weitere Medaillen und Plaketten ohne Foto
- Hermann-Raths-Medaille der Düsseldorfer Jonges
- Lindau-Plakette mit einer Stadtansicht von Lindau
- Medaille der Fa. Haniel, Duisburg
- Signet der Medizinischen Fakultät der Universität Düsseldorf
Schmuck und Raumgestaltung
Schmuck
Anhänger aus Bronze, manche mit Steinen besetzt, einige an der Kette getragen.
Raumgestaltung
Schwimmbad
Eine vollständige Gestaltung: Boden und Wände in Mosaik mit antiken Motiven, Wandfiguren von etwa 1,90 m, zwei 6 m lange Fische im Becken. Wasserspeier, Handlauf und Türgriffe sind aus Bronze. 1976 kam ein Gitterportal aus Bronze dazu (2,40 × 2,60 m). Sein Fischmuster ziert auch den Umschlag ihres Katalogs.
Zeichnungen und Aquarelle
Gezeichnet hat Marianne Kiesselbach ihr Leben lang: jahrzehntelang wissenschaftliche Zeichnungen für ihren Mann, mikroskopische und anatomische Darstellungen, die Mediziner und Biologen wegen ihrer Klarheit schätzten. Dazu kommen Porträts und Entwürfe für ihre Bronzen.












